Sich beruflich Sorgen zu machen ist …
30. April 2012... wie in einem Schaukelstuhl zu sitzen.
Es beschäftigt einen, bringt einen aber nirgendwo hin.
Glenn Turner, Musiker
... wie in einem Schaukelstuhl zu sitzen.
Es beschäftigt einen, bringt einen aber nirgendwo hin.
Glenn Turner, Musiker
„Die klügste Verhaltensweise schien mir das engagierte Zuhören zu sein. Alle Menschen, die spannend erzählen können, lieben begabte Zuhörer. Ich habe bedeutende Leute aus der Reserve gelockt, indem ich leidenschaftlich neugierig wissen wollte….“
André Heller im Interview mit Sven Michaelsen, SZ-Magazin vom 16. März 2012
Noch immer wird das Zuhören können unterschätzt.
Noch immer glauben viele, dass ein guter Smalltalker ein guter Erzähler sein muss. Dem ist nicht so. Ein guter Smalltalker ist immer ein guter Zuhörer, der weiß, dass er dann interessant ist, wenn er interessiert ist.
Ich beginne meine Woche mit einer langen Laufrunde.
Heute regnet es Bindfäden. Aber, wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Laufwetter, es gibt nur falsche Kleidung. Und so ziehe ich meine Regenjacke mit Kapuze auf und mache mich auf die Socken.
Leicht, locker … ganz in Gedanken … werde ich eine halbe Stunde später von einem hastigen Etwas aus der linken Seite kommend mit 300 m Anlauf und wahnsinnigem Gekläffe auf den Boden der bisweilen unangenehmen Tatsachen geholt.
Ein Hund mag mich heute Morgen irgendwie gar nicht. Kläfft, springt mich an, fletscht sein imposantes Gebiss.
Noch bevor sein Frauchen reagieren kann, bin ich aber so etwas von wach. „Aus!“ befehle ich entschlossen.
Und der Hund dreht s o f o r t ab.
Um dann jedoch s o f o r t den zweiten Versuch zu wagen.
Never change a winning tool, denke ich und ein zweites „Aus!“ mit festem Blickkontakt und entschlossenem Gesichtsausdruck folgt.
Der Hund dreht ab.
Geht doch – denke ich.
Der Riesenbello erhört sein verzweifelt rufendes Frauchen endlich und täuscht ein „Fuß!“ an, bevor er ein drittes Mal angreift. So langsam langweilt es mich.
Ein drittes „Aus!“ mit noch entschiedenerer Körpersprache folgt.
Ca. 20 Spaziergänger und Gassigeher verfolgen das Spektakel interessiert.
Ein Vater mit Kinderwagen ruft:„Nimm den Hund endlich an die Leine!“
Und in meine Richtung: „Nicht, dass er noch Kinder anfällt!“
Na danke! Ich schweige mal lieber. Mir persönlich reichte der Angriff auf mich schon völlig.
Ich beschließe in Ruhe weiter zu laufen. Unaufgeregt. Leicht, locker.
Und bin etwas stolz auf mich, wie ich die Situation mutig gemeistert habe.
Ein paar Minuten später begegne ich dem Hundchen nebst Frauen dann wieder. Frontal. Gottseidank angeleint (der Hund
„Es tut mir leid!“, sagt die Hundehalterin. Und noch bevor ich antworten kann „ist schon o.k.!“.
Fügt sie hinzu. „Das macht er sonst nie. Er ist ja noch ganz jung. Wahrscheinlich hatte er Angst, weil Sie so vermummt waren!“
Ich sage dazu: nichts.
Will meine gute Laune behalten.
Und werde mir beim nächsten Lauf bei strömendem Regen gut überlegen, ob ich Kaputze oder Mütze aufsetze.
Nicht, dass mich irgendein Hund vor lauter Angst anfallen muss.
23. Februar 2012 Bundeskanzlerin Merkel spricht vor 1200 Gästen auf der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer des rechtsextremen Terrors in Berlin. Mitglieder der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ hatten zwischen September 2000 und April 2007 neun Einwanderer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin getötet.
Und die Kanzlerin macht es gut: Sie begrüßt alle Anwesenden, hält eine gute Rede und sie entschuldigt sich bei Opfern und Hinterbliebenden für falsche Verdächtigungen gegen sie und verspricht: „Sie stehen nicht länger allein mit ihrer Trauer.“
Aber eine Sache „gut“ zu machen heißt noch lange nicht, sie wertschätzend und menschlich zu machen. Denn die Kanzlerin hält sich an die „Regeln“ und begrüßt die Anwesenden korrekt nach dem offiziellen Benimm-Protokoll: die wichtigen Ordensträger und Amtsinhaber namentlich zuerst, die Hinterbliebenen zum Schluss.
Schön wäre es gewesen, sie hätte die Reihenfolge umgedreht und die Hinterbliebenden zuerst begrüßt.
Denn solche Zeichen fallen auf. Beispiel Sitzordnung: Die Teilnehmer der Veranstaltung saßen in der ersten Reihe anders als üblich nicht nach protokollarischem Rang sortiert, sondern es mischten sich Repräsentanten des Staates mit Bürgern und Hinterbliebenen.
Später dann spricht Ismail Yozgat. Er weiß nicht viel von Protokoll und so begrüßt er erst „alle“, und dann einen Mann, der gar nicht da ist. Christian Wulff. Eigentlich hätte dieser in seiner Funktion als Bundespräsident reden sollen, nach seinem Rücktritt eine Woche zuvor hat die Kanzlerin diese Aufgabe übernommen.
„Guten Tag an alle. Lieber Präsident, liebe Bundeskanzlerin, liebe Gäste, ich grüße Sie alle in Respekt. Ich bin der, der am 6. April 2006 im Internetcafé den mit einer Kugel im Kopf sterbenden 21-jährigen Halit Yozgat in seinen Armen hielt – ich bin sein Vater, Ismail Yozgat.
Zuallererst möchte ich mit meinem ganzen Herzen, das bislang viel getragen hat und noch tragen muss, von hier aus Bundespräsident Wulff unsere Grüße und Verehrung übermitteln. Voller Bewunderung erinnern wir uns an seine Gastfreundschaft. Ich danke ihm. Dank auch an diejenigen, die die heutige Zeremonie gestaltet haben. Ich möchte all jenen Menschen aus Kassel-Baunatal und Umgebung für ihre Mühe danken, die darin bestand, dass sie mir bis heute ein Weiterleben ermöglicht haben.
Drei Briefe mit Absender Frau Professor Barbara John erreichten mich. Es ging um die Begräbniskosten und ob wir 10.000 Euro bekommen möchten. Wir als Familie Yozgat möchten das alles nicht haben.
Jedoch bitten wir um drei Dinge:
Dass die Mörder und ihre Helfer gefangen werden. Mein Vertrauen in die deutsche Justiz war immer vorhanden, von nun an, so hoffe ich, wird es vollkommen sein, Insallah, so Gott will.
Zweitens: Mein Sohn Halit Yozgat ist in der Holländer Straße 82 zur Welt gekommen und in der Holländer Straße unten im Ladenlokal erschossen worden und gestorben. Wir als Familie möchten die Holländer Straße gerne in Halit-Straße benennen lassen. Wir bitten um Mithilfe.
Drittens: Wir möchten, dass im Namen der zehn Verstorbenen eine Stiftung für Krebskranke gegründet wird und alle Preise und Hilfen dorthin geleitet werden.
Nochmals: Allen Organisatoren dieses Tages danke ich herzlich.“
Diese Rede war wirklich beeindruckend: Menschlich und gefühlvoll. Sehr persönlich und einfach. Und da ist einer, der will kein Geld als Entschädigung für seinen Sohn – hat aber drei Wünsche (die ihm vermutlich alle nicht erfüllt werden).
Die Worte der Kanzlerin waren korrekt, aber sie blieben nicht im Herzen.
Ismail Yozgat dagegen hat sich – was die gängige Etikette angeht – zumindest ungewöhnlich verhalten, hat aber als einfacher Mann die passenden Worte gefunden und für den bewegendesten Moment der gesamten Veranstaltung gesorgt.
Diese Frage stellte mir neulich im Business-Etikette-Seminar ein Maschinenbau-Student. Gute Frage, finde ich. Sehr gut sogar.
Rechtlich ist dieses Thema hinreichend geklärt: auf deutschen Autobahnen darf (wenn nichts anderes geregelt ist) so schnell gefahren werden, wie man will. Theoretisch müsste dabei noch Rücksicht genommen werden auf die Witterungsverhältnisse und auf die eigene Fahrerkompetenz z.B. in Bezug auf das persönliche Reaktionsvermögen. Ich behaupte hier mal kühn, dass sich 80 Prozent aller Autofahrer völlig überschätzen. Ist aber ein anderes Thema.
Wie schnell sollte ich laut Etikette also Autofahren?
Das Ziel der Etikette ist eine gute Beziehung zu meinem Gegenüber herzustellen. Dafür zu sorgen, dass es ihm / ihr gut geht und dass er sich wohl sprich sicher fühlt. Für eine Autofahrt bedeutet dies: man fährt nicht zu schnell und hält einen respektabelen Sicherheitsabstand zum vorherfahrenden Fahrzeug ein. Also bei 120 bis 140 Stundenkilometern auf der Autobahn liegen wir vermutlich ganz gut.
Verstummt mein Beifahrer völlig und hält sich mühsam am Haltegriff fest, bilden sich bereits kleine Schweißperlen auf seiner Stirn, bremst er mit und atmet schwer ein und aus, dann bin ich definitiv für das Gefühl des Beifahrers zu schnell. Und darum geht es: dem Mitfahrer muss es gefallen.
Das Ziel hier ist es nicht, dem Fahrgast zu beweisen, was für ein mutiger und schneller Autofahrer man ist. Es sei denn, Sie sind dabei sich für die Stelle des Sicherheitsfahrtrainers beim ADAC zu bewerben.
Wer fürsorglich, rücksichtsvoll und vorausschauend in moderatem Tempo Auto fährt, zeigt Köpfchen und Wertschätzung zugleich.
Natürlich können Sie gerne mal so richtig Gas geben – wenn weder Kleinkind noch Geschäftspartner an Bord sind.
Viel Vergnügen dabei wünscht
Monika Scheddin
P.S. Manchmal habe ich den Eindruck, dass bei einem Tempolimit verstanden wird, ich darf auf keinen Fall langsamer als das Maximum fahren – egal, ob es der Verkehr hergibt. Alles andere könnte ja völlig uncool wirken.
Amateure warten auf Inspiration.
Profis setzen sich hin und arbeiten.
Philip Roth
Über zwanzig Jahre lang suchte der amerikanische Psychotherapeut Gary Emery nach einer Methode, die seinen Klienten schnell und effektiv helfen könnte, ihre Probleme zu lösen. Schließlich entdeckte er sie, zusammen mit seinem Kollegen James Campbell. Die Kernbotschaft dieser wirkungsvollen Methode lautet: "Wahl statt Veränderung". Choice versus change.
Zwischen beidem gibt es einen kleinen, aber bedeutsamen Unterschied.
Quelle: Eva Wlodarek, Tango vitale. Von Schicksalsschlägen und anderen glücklichen Umständen. S. 127/128 (Campus 2012)
Im Veränderungssystem lasse ich andere Menschen oder die Umstände über mich bestimmen.
Im Wahlsystem führe ich Regie über mein Leben. Nicht, dass dies immer einfach wäre, aber es ist möglich.
Die Willigen finden Wege, die Unwilligen Ausreden.
In diesem Sinne – einen schönen Start in die Woche wünscht Ihnen und Euch
Monika Scheddin
Völlig verrückt
In einem Münchner Park zwischen Odeonsplatz und dem Englischen Garten sitzt regelmäßig ein wunderlicher Mann auf einer Parkbank, der mit Eifer und voller Konzentration an einem Fahrradständer aus Stahl mit einem ganz gewöhnlichen Taschenmesser schnitzt. Obwohl er seit Wochen und Monaten stundenlang an diesem „Projekt“ arbeitet, ist kein Fortschritt zu beobachten. Natürlich nicht.
„Völlig verrückt“, schüttelt ein älterer Herr seinen Kopf. „Oh je“, seufzt eine Dame voller Mitleid.
Der wunderliche Mann indes scheint ganz zufrieden. Er leistet etwas. Wenn auch nur in seiner Vorstellungswelt. Macht aber nichts. Denn jeder Mensch definiert Erfolg anders. Ein hoffnungsloser Fall. Wirklich?
Jetzt, kurz vor Weihnachten ist etwas passiert: Der Mann hat einen zweiten Fahrradständer dabei. „Er expandiert!“ denke ich und freue mich wie eine Schneekönigin. Die schönsten Weihnachtswunder finden direkt vor unserer Nase statt!
Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit und ein grandioses Jahr 2012!
Gesundheit, Glück, gute Ideen, ganz viele schöne Momente und genug Geld für alles, was wichtig ist. Ach ja: und dass Sie es sich hier und gönnen, herrlich verrückt zu sein.
Ihre und Eure Monika Scheddin
Noch liegt leichter Nebel über der Landschaft. Langsam verschafft sich die Sonne mehr und mehr Gewicht – es wird wärmer und wohlig. Die Luft ist klar und rein. Es riecht nach Herbst. Die Vögel zwitschern, Hunde werden Gassi geführt, Eichhörnchen sammeln eifrig ihren Wintervorrat. Ich jogge durch den Park und beglückwünsche mich zu meiner Freiberuflichkeit.
Inmitten dieser Idylle gefällt es einem Hausmeister seinen Laubbläser anzuschmeißen, um unter lärmendem Getöse einzelne Blätter mit Kraft zu verfolgen und auf Nimmerwiedersehen zu verpusten. Minuten über Minuten vergehen und langsam riecht man auch des Laubbläsers Abgase. Des Läufers Lungen werden zum Raucher. Ein ganzer Stadtteil wird gequält, weil es einem Menschen gefällt.
So viele Menschen reisen in Klöster, um sich zu üben, ganz im Hier und Jetzt zu leben.
Und manchmal denke ich, ob man dieses nicht hier und heute nutzen könnte. Wie wäre es, genau jetzt im Hier und Jetzt zu leben und sich für eine Stunde pro Woche in eine Liste einzutragen und freiwillig auf altmodische Art und Weise die Blätter weg zu harken? Ich wäre dabei!
Einen schönen Herbst wünscht Ihnen und Euch
Monika Scheddin
"Eine Handbreit neben der Gewohnheit wächst das Glück". Diesen schönen Satz formulierte mein Kollege Gunter König.
Gewohnheiten sind wichtig, denn sie geben uns Sicherheit.
Aber Glück empfinden wir beim Besonderen. Bei dem, was nicht alltäglich ist.
Was könntest Du diese Woche dafür tun?
Den Tag mit einer Runde im Freibad beginnen? Eine Xing-Gruppe gründen? Afrikanisch essen gehen? Einen Tanzkurs buchen?
Ich denke, Dir fallen noch viel bessere Beispiele ein.
Good luck wünscht
Monika Scheddin